Der Minikontinent Madagascar

Madagascar liegt zwischen 12 und 26 Grad südlicher Breite vor der Südostküste Afrikas, die Mindestentfernung beträgt 400km, die Größe entspricht der von Frankreich. Die Länge beträgt 1580 km, die Breite max. 580km, die Küstenlinie fast 5000 km. Hier eine Übersichtskarte.
 
img023Vor ca. 100 Millionen Jahre hat sich Madagascar von Afrika getrennt. Anschließend ging die Entwicklung von Flora und Fauna eigene Wege. So entwickelten sich auf Madagascar keine der uns bekannten Affenarten, so dass es den Halbaffen (Lemuren) möglich war, zu überleben und weitere Arten hervorzubringen. Etwa die Hälfte der in der Welt vorkommenden Chamäleonarten leben auf Madagascar. Es gibt 3000 Schmetterlingsarten, u.a. auch den größten vorkommenden, den Komet mit 25 cm Flügelspannweite.

Die Flora zeichnet sich durch eine große, zum Teil unerforschte Vielfalt aus, deren bekannteste Vertreter wohl die Baobabs des Süden und Westens als auch die 1200 bekannten Orchideenarten sind. Zahlreiche Pflanzen enthalten pharmazeutische Wirkstoffe und treffen zunehmend auf das Interesse westlicher Pharmafirmen.

Madagascar ist seit ca. 1000 n. Chr. besiedelt. Die Bevölkerung weist neben afrikanischen vor allem asiatische Züge auf und die Wissenschaft rätselt, wie ein Volk vor 1000 Jahren vom heutigen Indonesien und Malaysia nach Madagascar gekommen ist, entweder mit Hilfe des Passats direkt über das Meer oder entlang den Küsten Thailands, Indiens, Vorderasiens und Afrikas in Etappen.

Die ersten europäischen Besucher gab es um 1500, wobei es sich auch mal um Seeräuber handelte. Nach den Portugiesen versuchten ab dem 17. Jh. die Franzosen, auf der Insel Fuß zu fassen, scheiterten jedoch und zogen sich wieder zurück. Im 17. Jh. begann ein Prozess der Zusammenschließung der einzelnen Volksgruppen, den König Adrianampoinimerina sowie sein Sohn Radama I., dann mit Hilfe von Europäern, weiterbetrieb. Seine Nachfolgerin, Königin Ranavalona I. vollzog eine Kehrtwendung, verfolgte Europäer und schränkte die diplomatischen Beziehungen mit Europa wieder ein. Dies rief die Franzosen erneut auf den Plan, die dies als Grund nahmen, militärisch einzugreifen. Diese Kämpfe führten 1895 zur Kolonisierung der Insel.

Nach dem 2. Weltkrieg begründete sich die Demokratische Bewegung und 1960 wurde das Land von De Gaulle in die Unabhängigkeit entlassen. 1. Präsident, Sozialdemokrat und Antikommunist war von 1960-1972 Philibert Tsiranana. Nach Unruhen und einem Referendum wurde 1975 die "Demokratische Republik Madagascar" nach sozialistischem Muster gegründet, die 1993 am Ende war und dann von der dritten, demokratischen Republik abgelöst wurde.

Die Wirtschaft litt unter den 1975 durchgeführten Verstaatlichungen und erholte sich erst gegen Ende der 80 Jahre wieder, als der Westen an Einfluss gewann. Wichtige Ausfuhrgüter sind Kaffee, Vanille, Nelken, Fisch, Crevetten, Zucker, Sisal, Tabak, Kakao, Holz, Pfeffer, Chrom, Graphit.


scan2106Am 6. Mai 2002 wurde Marc Ravalomanana als neuer Staatspräsident vereidigt. Er stellt eine neue Art Führungspersönlickeit für Madagascar dar, er ist erfolgreicher Unternehmer im Lebensmittelsektor. Inzwischen ist er im Amt etabliert, seine Partei Tiako i Madagasikara hat bei den Parlamentswahlen 2002 eine absolute Mehrheit errungen. Vorangegangen war seit Ende Januar 2002 die größte politische und wirtschaftliche Krise, durch die Madagascar in seiner modernen Geschichte gegangen ist, verursacht durch die massive Weigerung des Altpräsidenten Didier Ratsiraka, den Wahlsieg seines Herausforderers anzuerkennen. Dies führte zur mehrmonatiger Blockade Antananarivos sowie zahlreichen gesprengten Brücken. Das ganze Land war monatelang gelähmt.
 
 
Marc Ravalomanana nach seiner Vereidigung am 6. Mai 2002 im Stadium Mahamasina
 
Oberster Priorität hatte für diese neue Regíerung etwa der Straßenbau und die Bekämpfung der Korruption. Die schnelle und nachhaltige Entwicklung des Landes war ein Hauptanliegen. Ebenso hatte man sich Tranparenz und Effizienz, also "Gutes Regieren" auf die Fahnen geschrieben.
 
Am 3. Dezember 2006 wurde Marc Ravalomanana für eine zweite Amtsperiode von 5 Jahren als Staatspräsident wiedergewählt.
 
Nach einer putschähnlichen Machtübernahme im März 2009 durch den Ex-Discjockey Andry Rajoelina ging Ravalomanana ins Exil nach Südafrika. Am 9.8.2009 wurde in Maputo von den Delegationen ein Vereinbarung unterzeichnet, in der eine max. 15 Monate regierende Übergangsregierung die Macht übernimmt. Vorgesehen ist die Überarbeitung der Verfassung, bestätigt durch eine Volksabstimmung sowie Präsidentschaftswahlen.
 
Bei den erst zum 20. Dezember 2013 zustande gekommenen Präsidentenwahlen ging Hery Rajaonarimampianina, Rajoelina's Finanzminister, als Sieger hervor. Nach dessen Amtseinführung im Januar 2014 hatte Madagascar endlich wieder einen vom Volke gewählten Präsidenten.
 
Inzwischen ist Marc Ravalomana wieder zurueck aus dem Exil in Suedafrika, baut langsam Tiko wieder auf und wird fuer die Wahl zum Staatspraesidenten Ende 2018 kandidieren.
 
Die Zahl der Touristenankünfte ist weiterhin bescheiden, Madagascar kann mit dem viel kleineren benachbarten Mauritius nicht mithalten. Es kamen in 2006 311.000, in 2007 344.00, 2008 375.000 ausländische Touristen. 2009 wird es wegen der Krise sicherlich einen Rückgang geben. Für die Wirtschaft ist dieser Sektor aber von grosser Bedeutung. Massentourismus ist aber nicht zu erwarten, auch wenn es manchen Leuten auf Nosy Bé schon zu voll ist. In kleineren Orten unterwegs ist man häufig für sich.
 
Die Regierung hat es sich zum ehrgeizigen Ziel gesetzt, 2020 eine Million Touristenankünfte zu erreichen. Dazu wurde eine Open-Sky Politik eingefuehrt, auslaendische Airlines bekommen Verkehrsrechte. Desweiteren übernimmt Air Austral 49 % des Kapitals der staatlichen Airline Air Madagascar.

Madagascar ist ein ganzjährig bereisbares Ziel. Im Menü finden Sie unter "Madagascar" -> "Die Jahreszeiten" Details.